Gunther Martin Göttsche

Musiktheorie - digital

Voraussetzungen und Möglichkeiten des computergestützten Unterrichts
 

0.Vorbemerkung.

Im folgenden soll gezeigt werden, wie Unterrichts-Einheiten in musiktheoretischen Fächern  durch den Einsatz des Computers unterstützt werden können. Es ist hierbei an Vorlesungen, Seminare oder Theoriestunden an Musikhochschulen, Konservatorien, Berufsfachschulen für Musik oder Musikschulen gedacht.
Nach der Erläuterung der allgemeinen technischen Voraussetzungen und Arbeitsmethoden  ergibt sich im Abschnitt 3.2. ein kurzgefasster Überblick über derzeitig erhältliche Musik-Software und ihre Relevanz für den Einsatz im Unterricht. Die in Frage kommenden Fächer sind: Tonsatz, Komposition, Instrumentation, Gehörbildung, Analyse, Formenlehre und Instrumentenkunde.
   

1.Technische Vorausssetzungen im Unterrichtsraum

 

1.1. Lehrer-PC  +  Beamer

Bei dieser Möglichkeit bedient sich der Unterrichtende eines Rechners, an den - zusätzlich zum Bildschirm oder an dessen Stelle - ein sogenannter "Beamer" (Datenprojektor) angeschlossen wird. Dieser projiziert den Bildschirminhalt wie ein Dia- oder Overheadprojektor an eine Leinwand; der Dozent kann den Computer wie gewohnt mit Maus- oder Tastatureingaben steuern.

1.2. Lehrer-PC  +  Beamer +  Teilnehmer-PC

Voraussetzung für diese Methode ist ein komplett eingerichteter Schulungsraum.
Der Unterrichtende arbeitet, wie im ersten Beispiel, mit dem Lehrer-PC und dem Datenprojektor. Jeder Unterrichtsteilnehmer hat seinen eigenen Computer und kann bestimmte Aufgabenstellungen auf dem eigenen Bildschirm nachvollziehen.  

1.3. Lehrer-PC  +  Netzwerk  +  Teilnehmer-PC

Alle Computer sind untereinander verbunden; der Dozent kann sich von seinem Gerät aus zur Hilfestellung bei jedem einzelnen Teilnehmer einschalten oder sogar den eigenen Bildschirm "zwangsweise" auf alle anderen PC-Bildschirme übertragen. Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, entfällt die Notwendigkeit eines Beamers. Hinweis: Der Umgang mit einem Netzwerk erfordert spezielle Kenntnisse und ist störungsanfällig; auftretende technische Probleme können u.U. den Unterrichtsbetrieb kurzfristig behindern.
 

2.Hardware

Für einen zügigen und störungsfreien Ablauf der wichtigsten Musikprogramme ist von folgenden Hardware-Mindestvoraussetzungen auszugehen:

2.1. Rechner: Pentium III mit 500 MHz, 64 MB Arbeitsspeicher, Festplatte mit 8 GB;
       Diskettenlaufwerk, CD-Rom-Laufwerk, Soundkarte
2.2. Betriebssystem: Windows 9x, ME, NT oder 2000
2.3. Bildschirm für Einzelplätze: 17 Zoll oder größer
2.4. Drucker (für Noten: möglichst Laserdrucker)
2.5. MIDI - fähiges Keyboard (Tastatur) zum Eingeben der Noten
2.6. Lautsprecher je nach Größe des Unterrichtsraumes
2.7. optional: Internet-Anschluss über Modem oder ISDN-Karte

Für die Arbeit mit sehr rechenintensiven Programmen, z.B. einem Software-Sampler, ist eine höherwertige Ausstattung (schnellere CPU, mehr Arbeitsspeicher, größere Festplatte) zu empfehlen.
 

3.Software    (Hersteller-Info am Schluss des Artikels!)

 

3.1. Allgemeine Präsentations- und Vorführungsprogramme

MICROSOFT POWER POINT
STAR IMPRESS

Falls der Computer im Unterricht wie ein  Dia- oder Overheadprojektor eingesetzt wird, d.h., falls vor allem einzelne Schaubilder oder Grafiken zur Unterstützung benötigt werden, sind diese Programme sehr hilfreich: sie organisieren einen festgelegten Bildablauf und rasches bezw. automatisches Umschalten von Bild zu Bild (vorwärts und rückwärts), ohne dass erst einzelne Dateien eines Programmes geöffnet oder geschlossen werden müssen. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Vorführung im Ursprungs-Programm (also der Textverarbeitung oder dem Grafikprogramm) ist es, dass sämtliche Menüleisten, Schaltflächen o.ä. verschwinden, so dass das Auge nicht von unwesentlichen Details abgelenkt wird.
Text und Bilder können mit grafischen Hilfsmitteln optisch ansprechend gestaltet werden. Ein Notenbeispiel, etwa aus einer gedruckten Partitur, kann eingescannt und als Grafikdatei in die Präsentation eingebettet werden. Von großer Bedeutung für den Einsatz in musiktheoretischen Fächern ist es, dass bei POWER POINT auch das Einbinden von Klangdateien möglich ist: so kann gleichzeitig mit der Präsentation einer Notenseite die entsprechende Musik abgespielt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass diese in einem entsprechenden Datei-Format verfügbar ist, z.B. als MIDI-Datei ("Computer-Sound", s. unter 3.2.3) oder aber - wesentlich besser - als MP3-Datei (Wiedergabe einer realen Audio-Aufnahme, wie unter 3.2.6. beschrieben).
 

Das Einbinden eines Notenbildes, das man selbst mit einem Notensatzprogramm geschrieben hat, in eine Präsentation mit POWER POINT oder STAR IMPRESS ist nicht direkt möglich; die geschriebenen Notenseiten müssen zuerst in eine Grafik umgewandelt werden. So gut wie alle Notensatzprogramme bieten diese Möglichkeit. Möglicherweise muss ein wenig mit verschiedenen Grafik-Formaten experimentiert werden, bis man die geeignete Lösung findet. So lassen sich etwa SIBELIUS - Dateien mit POWER POINT am besten nach der Umwandlung in eine sogenannte "bmp"-Datei verwenden.

Will man während der Präsentation Veränderungen im Notenbild vornehmen, ist dieses selbstverständlich nur im originalen Notensatzprogramm möglich. Dieses kann auf dem Rechner im Hintergrund aktiv sein (Multi-Tasking) und nach Bedarf eingeschaltet werden.
 

3.2. Musik-Programme

 

3.2.1.Notensatz-Programme

SIBELIUS
 FINALE
CAPELLA
SCORE PERFECT

Mit diesen Programmen lassen sich Notenbeispiele und Partituren aller Art schreiben, so dass der Computer-Bildschirm bezw. das an die Leinwand projizierte Bild die herkömmliche Notenlinien-Tafel ersetzt. Bei der Verwendung etwa im Tonsatz-Unterricht ist  zu berücksichtigen, dass jeder Arbeitsschritt genau beherrscht werden muss. Durch die Vielzahl an Parametern im Notenbild ist die Bedienung eines Notensatzprogrammes wesentlich schwieriger als etwa die eines Textverarbeitungsprogrammes. Unerwartete Situationen können den Unterrichtsablauf behindern: so könnte z.B. das nachträgliche Einfügen einer Note oder eines Vorzeichens in einen Akkord zur Folge haben, dass das Programm aufgrund des erhöhten Platzbedarfes einen Zeilen- oder gar Seitenumbruch vornimmt und das gesamte Notenbild sich plötzlich ändert! Will man vor solchen Überraschungen und entsprechenden Heiterkeitserfolgen sicher sein, so muss man, auch als geschulter Anwender, alle einzelnen Unterrichtsschritte vorher probiert haben.
 

 
Ein gewisses Problem stellen übrigens für die meisten Notensatzprogramme die spezifischen Zeichen der Generalbass-Schrift sowie die Analyse-Symbole der Funktions-Theorie dar. Schon das Schreiben von Generalbass-Bezeichnungen ist sehr mühsam: will man nicht jede Ziffer als  einzelnes "Grafik-Element" mühsam unter die Noten platzieren, kann man sich mit der "Liedtext" ("Lyrics")-Funktion behelfen, bei der jeder Note anstelle eines Textwortes die Generalbass-Ziffer zugeordnet wird. Sonderzeichen (Alterationen) können nur in zeitraubender Kleinarbeit hinzugefügt werden: zuerst die Ziffer schreiben, dann in einem zweiten Arbeitsgang ein Kreuz oder b danebensetzen usw. - Die gleichen Probleme tauchen, noch verstärkt, bei den Funktionsbezeichnungen auf. Das Erstellen von Tonsatzaufgaben am Bildschirm wird  so zu einer langwierigen Aufgabe!

In einigen Programmen - z.B. bei SIBELIUS - ist die Generalbassschrift mit den entsprechenden Sonderzeichen als Feature enthalten.

Eine sehr gute Lösung sind Spezialfonts (Zeichensätze) wie z.B. "Final Font Solutions" von Ansgar Krause (www.ansgarkrause.de/finalfonts.htm) , die sowohl die Analyse - als auch die Generalbass-Sonderzeichen beinhalten bezw. deren Zusammensetzung ermöglichen. Sie können mit jedem Notensatzprogramm verwendet werden. Ihre Bedienung erfordert jedoch einige Übung.
 

3.2.2.Notenscan - Programme

MIDISCAN
CAPELLA SCAN
SMART SCORE
PHOTO SCORE

Diese Programmgruppe braucht nur kurz erwähnt zu werden, da sie für den musiktheoretischen Unterricht weniger Relevanz bietet. Ein Notenscan-Programm liest eine (mithilfe eines Scanners "fotografierte") Notenvorlage ein und verwandelt sie in eine Datei, die anschließend entweder von einem in das Scan-Programm integrierten Notensatzmodul oder von einem dazugehörigen Notensatzprogramm  weiter bearbeitet werden kann. So kann z.B. die Partitur eines Schubert-Liedes eingescannt und anschließend transponiert werden, oder es kann eine Orchesterpartitur zum Zwecke des Herstellens von Einzelstimmen gescannt werden. - Soweit die Theorie! In der Praxis aber ist die Technik noch nicht so ausgereift, dass sie stets gleichbleibend zuverlässige Ergebnisse liefert. Man wird - je nach Beschaffenheit der Vorlage - um genaues Nachbearbeiten per Hand nicht herumkommen, wenn man fehlerfreie Ergebnisse braucht. Gerade da, wo das schnelle Einscannen und Transponieren erwünscht und sinnvoll wäre, nämlich bei der Klavierbegleitung von Vokalmusik, erweist sich die notengrafische Komplexität des Klaviersatzes als entscheidendes Hemmnis für jedes Notenscanprogramm!
 

3.2.3.Sequenzer- Programme

CAKEWALK PRO AUDIO
CUBASE VST
LOGIC AUDIO
POWER TRACKS PRO AUDIO

Diese Programme dienen im wesentlichen der Klangerzeugung und -bearbeitung. Ein Sequenzer- Programm stellt ein großes digitales Musikstudio im Computer dar, mit dessen Hilfe Computer-Klänge produziert, zusammengesetzt, bearbeitet und abgespielt werden können. In der Regel bedient man sich zum Aufzeichnen eines MIDI- Keyboards; es ist jedoch auch möglich, die MIDI - Informationen, (also die Information über Tonhöhe, Tondauer, Klangfarbe, Lautstärke u.a.) einzeln in das Programm einzugeben. Die Klänge können zur Bearbeitung am Bildschirm in verschiedener Weise sichtbar gemacht werden: nicht nur als "Event List" mit genauer Protokollierung sämtlicher gesendeten Befehle, sondern z.B. auch als grafisches Diagramm wie in der "Piano Roll", bei der die y-Achse (Tonhöhe) durch eine senkrecht abgebildete Klaviertastatur dargestellt wird, während die Tonlängen als waagerecht verlaufende Striche oder Balken erscheinen. Je nach der erforderlichen Genauigkeit der Bearbeitung können diese Diagramme bis ins Vielfache vergrößert werden, um z.B. den Einsatzpunkt eines Tones um eine Millisekunde vor- oder zurückzuverschieben.

Als Klangfarben dienen zunächst innerhalb des Sequenzers die 128 standardisierten MIDI - Klangfarben ("Programme"), angefangen von Programm Nr. 1 ("Grand Acustic Piano") über Nr. 54 ("Voice Oohs") bis hin zu Nr.128 ("Gun Shot"). Je nach Qualität der Soundkarte ist der Klangeinddruck mehr oder weniger gut; ist man damit nicht zufrieden, kann man durch Einbinden zusätzlicher "Klangbänke" den Vorrat erweitern oder "Samples" (s.u.) einsetzen.

Seit die Speicherkapazitäten der Rechner in Giga-Byte-Dimensionen vorgedrungen sind, ist das sogenannte Hard-Disc-Recording praktikabel geworden: Hier wird eine reale Klangquelle (z.B. Gesang) mit dem Mikrofon aufgenommen und in eine digitale Information (WAVE-Datei) umgewandelt. Diese Dateien werden riesengroß: die "Kurve" einer Sinusschwingung muss, um CD-Qualität zu erreichen, mindestens 44.100 mal pro Sekunde "abgetastet" werden.
Die so erzeugte "Audio" - Spur kann mit den übrigen Klangdaten der Sequenzer-Aufnahme zu einem Arrangement vereint werden.

Sequenzer können im Musiktheorieunterricht eine Rolle spielen, wo es um die Visualisierung von Klängen geht: so ist z. B. mithilfe der "Piano Roll" sehr anschaulich zu beobachten, wie der Unterschied zwischen einer mathematisch exakt vom Computer erzeugten Tonfolge und der gleichen vom "lebendigen" Musiker gespielten Tonfolge aussieht!

Daneben können Sequenzer selbstverständlich in all diejenigen Unterrichtsformen Eingang finden, wo es weniger um professionell-analytische Beschäftigung mit Musik, als vielmehr um zwangloses Entwickeln musikalischer Kreativität geht. Dieses betrifft nun weniger den Unterricht an Musikhochschulen und Konservatorien, sondern eher den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Mit einem Sequenzer zu arbeiten, ist prinzipiell ohne jede musikalische Fachkenntnis möglich; nicht einmal die Fähigkeit des Notenlesens ist unbedingt notwendig!
 

 
 

3.2.4. Softwaresampler und - Synthesizer

REALITY (Synthesizer/Sampler)
GIGA SAMPLER/STUDIO (Sampler)

Die klanglichen Möglichkeiten der Sequenzerprogramme können um ein Vielfaches gesteigert werden, wenn man sich der Technik des sogenannten "Samplings" bedient. Hier werden Tonaufnahmen von verschiedenen Tönen eines realen Instruments hergestellt; der "Sampler" (als eigenes Gerät oder auch als Computerprogramm, sogenannter "Software-Sampler", eingesetzt), rechnet dann diese Informationen auf sämtliche benötigten Töne um, so dass es möglich ist,  der auf dem Sequenzer laufenden Musik etwa die Klangfarbe eines "Bösendorfer"-Flügels zu geben. Für Software-Sampler ist allerdings größtmögliche Hardware-Rechenleistung vonnöten! Im Handel sind inzwischen sehr viele Sample-CD's erhältlich, die vom kompletten Instrumentarium eines Sinfonieorchesters (inklusive spezieller Spielarten oder Techniken, wie pizzicato oder Flageolett) bis hin zur registerweise verfügbaren Kathedral-Orgel eines Cavaille-Coll gehen.

Als Software-Lösung sind auch "Synthesizer" einsetzbar, die nicht für die Imitation realer Instrumente, sondern zum Erzeugen eigenständiger elektronischer Klangfarben dienen.

Durch die inzwischen sehr hochentwickelte Technik des Sampling-Verfahrens könnte der Computer in absehbarer Zeit immer Bedeutung im Kompositionsunterricht an Hochschulen gewinnen. Dieses gilt nicht mehr ausschließlich für experimentelle Musik - in der Avantgarde-Komposition spielt ja der Synthesizer schon seit langer Zeit eine große Rolle - sondern es gilt auch für die eher traditionellen Kompositionsformen bis hin zum Tonsatzunterricht! Schon das Spiel einer vierstimmigen "Schul-Fuge" auf dem Unterrichtsklavier ist eine meist unbefriedigende Übung;  auf einem Sequenzer eingespielt, ist der Stimmenverlauf wesentlich plastischer. Eine im Kompositionsunterricht erstellte Partitur für ein großes Orchester, deren klangliche Realisierung aus organisatorischen Gründen normalerweise unterbleiben muss, kann mithilfe eines Sequenzers in Verbindung mit Samples soweit dargestellt werden, dass ein ziemlich realitätsnaher Klangeindruck entsteht.
 

3.2.5. Sound-Editoren

WAVE LAB
SOUND FORGE

Für die abschließende klangliche und technische Aufbereitung von Klangdateien aller Art bis hin zu "Schnitt"-Arbeiten und  dem Erzeugen ("Brennen") einer CD als Endergebnis der Arbeit gibt es eine Unzahl verschiedener Programme, angefangen von einfachster Shareware bis hin zum hochentwickelten Studio-Programm. Die Funktionen dieser Programme zeigen einen fließenden Übergang zu denen der vorhin erwähnten Sequenzer- und Sampler-Programme; so ist z.B. das Erzeugen eines Nachhalls mit allen drei Programmarten möglich. All diese Programme nebst ihren speziellen Spielarten (z.B. "Denoiser", mit denen unerwünschte Geräusche herausgefiltert werden) hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen; für den Theorieunterricht sind diese Programme nur interessant, wo es um das Sichtbarmachen akustischer Ereignisse geht oder wo die Ergebnisse kompositorischer oder instrumentatorischer Arbeit in einem präsentablen Endergebnis vorliegen müssen.
 

3.2.6. MP3 - Encoder
Das Dateiformat MP3 ermöglicht es, übergroße Audio-Dateien (WAVE-Dateien) auf etwa ein Zehntel ihrer Größe zu komprimieren. Das dabei verwendete Verfahren beruht im Wesentlichen darauf, dass bestimmte Frequenzen nicht oder weniger berücksichtigt werden, die sowieso durch andere überlagert werden bezw. nicht hörbar sind. Ein Musikstück von vier Minuten (bei der vorhin erwähnten Abtastrate von 44.100 Hz) beansprucht als WAVE -Datei etwa 42 MB, also dem Speicherplatz, den etwa 30 Disketten zusammen haben! Durch die Datenkomprimierung ohne hörbaren Qualitätsverlust wurden MP3-Dateien internetfähig und führten zu den bekannten, z.Zt weltweit diskutierten Irritationen im Musik-Business.
Programme zum "Komprimieren" einer WAVE-Datei ins MP3-Format gibt es kostenlos im Internet, z.B. den "BladeEnc" (http://bladeenc.mp3.no/). Viele der vorhin erwähnten Programme zur Audio-Bearbeitung beherrschen ebenfalls das MP3-Encoding. Zur Wiedergabe der komprimierten Dateien genügt der im Windows-Lieferumfang (ab Windows 98) enthaltene "Media-Player."
Für Unterrichtszwecke ist das MP3- Verfahren äußerst interessant, bietet es doch die Möglichkeit, zu Analyse-Zwecken blitzschnell auf Audio-Material zugreifen zu können. So ist es kein Problem, einen Ausschnitt aus einer vorhandenen Audio-CD ins MP3-Format zu übertragen, die MP3- Datei an einem leicht auffindbaren Ort (etwa dem Desktop) abzulegen und bei Bedarf mit einem Mausklick abzurufen.  Beliebige Anzahlen  von Beispieldateien lassen sich auf diese Weise auf der Festplatte des Unterrichts-Computers lagern und sind jederzeit abrufbereit.
Wenn man über Internet-Anschluss verfügt, kann man viele Musikstücke - auch aus dem klassischen Repertorie- im MP3-Format finden und downloaden. Die Anzahl der verfügbaren Musik steigt ständig.
 
 

3.2.7. Arranger-Programme

TONICA
BAND-IN-A-BOX

Es gibt sogenannte "Arranger-Programme", die in gewissen Grenzen in der Lage sind, selbst zu "komponieren". So ist etwa das Programm TONICA dazu geeignet, eine gegebene Melodie nach den Regeln des Schul-Tonsatzes zu harmonisieren. Hierbei kann der Anwender selbst entscheiden, inwieweit er Funktionen vorgeben möchte oder ob er die Harmonisierung im Stile eines J.S.Bach oder Max Reger bevorzugt. Je nach Beschaffenheit der Vorlage oder nach dem Grad des manuellen Eingreifens kann das Ergebnis erstaunlich gut ausfallen; für den Unterricht in Harmonielehre stellt dieses Programm eine interessante Variante dar. Der Schüler kann das Computerprogramm arbeiten lassen, kann die Ergebnisse manueller Eingriffe miteinander vergleichen oder kann die vom Programm gefundenen Lösungen auf ihre Richtigkeit oder ihren musikalischen Wert überprüfen.
Das Programm BAND-IN-A-BOX ist ist dazu gedacht,  in verschiedenen Jazz- und Pop-Stilistiken eine gegebene Harmoniefolge mit akkordischen, rhythmischen oder melodischen "Patterns" zu ergänzen. Man gibt die Akkorde vor, wählt einen bestimmten Stil und hört anschließend den Sound einer kompletten Combo inklusive eines über die gegebene Akkordfolge "improvisierenden" Solisten. Auch hier wieder, wie schon beim Sequenzer, ist MIDI die klangliche Grundlage.
 
 

3.2.8. Programme für den Unterricht in Gehörbildung

AUDITE
COMPUTERKOLLEG GEHÖRBILDUNG
AURALIA

In diesem Bereich ist der Computer sehr gut einsetzbar, insbesondere als Trainingsmöglichkeit, die den Gruppenunterricht ergänzt und für eine Einzelperson ansonsten praktisch nicht realisierbar ist. Der Computer ersetzt den Gehörbildungslehrer oder -Partner, der auf dem Instrument die zu hörenden Intervalle, Akkorde, Tonfolgen ode Rhythmen vorgibt; das Ergebnis wird eingegeben, und die Auswertung kann sofort erfolgen.
AUDITE ist eine der deutschen Varianten der zahlreich vertretenen Gehör-Trainingsprogramme. Es bietet erstaunliche Möglichkeiten für Selbst-Studium und Unterricht:
einstimmige bis vierstimmige Gehördiktate und Rhythmusdiktate, Intonations-Training bis zu Abweichungen von 1 Cent und das Experimentieren mit historischen Stimmungen.
Ein anderes, weit verbreitetes Programm für Gehörbildungsübungen ist "COMPUTERKOLLEG MUSIK- GEHÖRBILDUNG" von Schott.
Bisher nur in englischer Sprache erhältlich, aber speziell für die Hochschul-Ausbildung zu empfehlen ist das Programm "AURALIA". Neben den umfangreichen Trainingsfunktionen zur Notenerkennung, Notenfeinstimmung, Intervallerkennung, Intervallvergleich u.a. bietet das Programm auch eine automatische Test-Generierung mit beliebig festzulegenden Inhalten und - aufbauend auf einer Netzwerktechnologie - die Möglichkeit zentraler Ergebnisverwaltung, sodass die Gehörbildungs-Klausur im Computer-Schulungsraum geschrieben und ausgewertet werden kann!
 

3.2.9. "Edutaining"

Der Vollständigkeit halber sei noch eine letzte Programmgruppe erwähnt, die allerdings eher für Hobby-Anwender gedacht ist: die sogenannten Multimedia-CDs, die eine attraktive Mischung von Bild und Ton bieten und  bekannte Musikstücke nach den Gesichtspunkten von Formenlehre, Harmonielehre und musikgeschichtlicher Einordnung durchleuchten. Diese CDs sind weniger für den Unterricht mit einer Gruppe als vielmehr für den einzelnen interessierten Heim-Anwender gedacht. Durch ihre vielen interaktiven Möglichkeiten bieten sie einigen Anreiz, sich mit Analyse und Formenlehre zu beschäftigen.
In eine ähnliche Richtung gehen die zahllosen Klavierübungsprogramme ("TEACH ME PIANO") oder Software mit allgemeiner Musiklehre "RONDO". Für all diese Programme hat sich der Begriff "Edutaining" (eine Mischung aus "Education" und "Entertaining" etabliert, der recht anschaulich die Zielsetzung und die Adressaten deutlich macht.
 

4.Internet

Auch wenn auch in  absehbare Zeit noch nicht in allen PC-Schulungsräumen an Hochschulen, Konservatorien oder Musikschulen ein Internet-Anschluss für einen oder alle Rechner verfügbar sein wird, so muss doch an dieser Stelle auf die Tatsache eingegangen werden, dass das Internet - auch im musiktheoretischen Bereich - zu unerschöpflichen Informationsressourcen geführt hat. Ein Ende der Möglichkeiten ist noch nicht abzusehen. Schon jetzt gibt es im Internet

· Partituren, Musikstücke und Klangdateien aller Art
· bibliographische Informationen über jedes nur denkbare Thema, auch aus musikwissenschaftlichen Bereichen
· Detail-Informationen über spezielle Einzelthemen oder Personen (Komponisten, Werke oder Interpreten)
· Lieder und Texte aller Art
· Notenkataloge aller lieferbaren Editionen
· Bildmaterial (Porträts, Faksimilia)
· Soundmaterial (Klangbänke, Samples, MIDI-Dateien)
· Newsgroups und Diskussionsforen zu vielen musikalischen Themen.

und vieles andere mehr; alle Möglichkeiten zu beschreiben, hieße den Rahmen dieser Untersuchung sprengen. Interessant ist in jedem Falle der pädagogische Ansatz, den Schüler oder Studenten nach Informationen über bestimmte Themen selbst suchen zu lassen; in vielen Fällen wird dies zu völlig überraschenden Ergebnissen führen, die den Unterricht bereichern und stets lebendig bleiben lassen.
 

 5.Grundsätzliche Gedanken

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht kann einen beträchtlichen Gewinn an Lebendigkeit, Präzision der Darstellung und  Praktikabilität für fast jede Unterrichtssituation bringen.

Er setzt allerdings erhebliche Investitionen im Bereich der Soft- und Hardware voraus, er erfordert sehr gutes Know-how des Lehrenden und kostet bei der Vorbereitung des Unterrichts - zumindest in der Anfangsphase - wesentlich mehr Zeit als die herkömmlichen Unterrichtsmethoden. Angesichts der atemberaubend schnellen Weiterentwicklung der Hard- und Software ist es nicht möglich, auf einem einmal erreichten Stand stehenzubleiben; vielmehr ist man zur ständigen Weiterbildung gezwungen.

Diese Gründe dürften dazu beitragen, dass sich mancher Unterrichtende nur zögernd den neuen Technologien nähert, auch da, wo sie zur Verfügung stehen.

In einer sich durch die digitalen Medien sehr rasch wandelnden Zeit können die Gegebenheiten - und auch die Erfordernisse- aber schon  morgen anders sein.  Wenn die Software-Entwickler es schaffen, die immer größer werdenden Rechenleistung der Hardware nicht in immer neuen und noch komplizierteren Zusatzfunktionen der Programme, sondern in deren schnelle und intuitive Bedienbarkeit umzusetzen - und viele gute Programme zeigen, dass dieses möglich ist! - dann wird einer noch größeren Verbreitung digitaler Medien auch in Unterrichtssituationen nichts mehr im Wege stehen.
 

6.Anhang: Programme, Versions-Info, Vertriebsadressen und Preise (Stand: 10.04.2001)

MICROSOFT POWER POINT  2000  (Präsentations-Programm)  Bestandteil von OFFICE 2000 1.139,-  www.microsoft.com/GERMANY/office/powerpoint/default.htm (Informationen zum Programm)
www.microsoft.com/germany/shop/bezug/haendler.htm (Bezugsadressen)

STAR IMPRESS 5.2 (Präsentations-Programm) Bestandteil von STAR OFFICE 5.2 Sun Microsystems (Download kostenlos) www.sun.com/products/staroffice/get.htm

SIBELIUS  1.4  (Notensatz)  M 3c, Großbeerenstr.51, 10965 Berlin, Tel. (030) 78 907 90
DM 1399,-
www.sibelius.com (Hersteller) www.m3c-berlin.de (Vertrieb für Deutschland)

FINALE 2001 (Notensatz)   Klemm-Music, Waldstieg 2, 37133 Friedland, Tel.(05504) 93590
DM 1298,-
www.klemm-music.de

CAPELLA 2000 3.0a (Notensatz) WHC-Software, An der Söhrebahn 4, 34318 Söhrewald Tel.(05608) 3923
DM 288,-
www.whc.de

SCORE PERFECT 4.0 (Notensatz) Columbus Soft, Postfach 130264   64242 Darmstadt
DM 298,-
www.columbussoft.de

MIDISCAN 2.5.1 (Notenscanning) Klemm-Music, s.o.
DM 598,- (in Finale enthalten)
www.klemm-music.de

CAPELLA SCAN 3.0 (Notenscanning) WHC, s.o.
DM 228,-
www.whc.de

SMART SCORE  (Notenscanning +Sequenzer) Klemm-Music s.o.
DM 698,-
www.klemm-music.de

PHOTO SCORE  (Notenscanning) M3c Berlin,s.o.
zus. mit Sibelius DM 1799,-
www.sibelius.com

CAKEWALK  9 (Sequenzer) Klemm-Music  s.o.
DM 598,-  
www.klemm-music.de

CUBASE VST  5.0 (Sequenzer) Steinberg, Eiffestr.596,   20537 Hamburg
DM 699,-
www.steinberg.de

LOGIC AUDIO PLATINUM 4.7 (Sequenzer) Emagic,  Halstenbeker Weg 96,   25462 Rellingen (04101) 4950
DM 1469,-
www.emagic.de

POWER TRACKS PRO AUDIO 7.0 (Sequenzer) M3c Berlin,s.o.
DM 111,-
www.m3c-berlin.de

REALITY 1.5 (Synthesizer/Sampler)  M3c Systemtechnik s.o.
449,- www.seersystems.com  (Hersteller) oder   www.m3c-berlin.de (Vertrieb)

GIGA SAMPLER 64 (Sampler) Bestservice, Siegesstr.23, 80802 München, Tel.(089)345 026
DM 598,-
www.bestservice.de

WAVE LAB 3.0 (Audio-Editor) Steinberg s.o.
DM 899,-
www.steinberg.de

SOUND FORGE 5.0. (Audio-Editor) M3c, s.o.
DM 1195,-
www.sonicfoundry.com

TONICA  5.5. (Arranger/Tonsatz) WHC, s.o.
DM 138,-
www.whc.de

BAND-IN-A-BOX  10 (Arranger)  M3c Systemtechnik s.o.
DM 222,-
www.pgmusic.com (Hersteller) oder  www.m3c-berlin.de (Vertrieb für Deutschland)

AUDITE 4.5 (Gehörbildung)  WHC,  s.o.
DM 138,-
www.whc.de

COMPUTERKOLLEG MUSIK-GEHÖRBILDUNG   Schott, Weihergarten 5,  55116 Mainz
DM 98,-
www.schott-music.com

AURALIA 2 (Gehörbildung) M3c, s.o.
299,-
www.m3c-berlin.de
 
 

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